GEOPUNKT LÜBBENSTEINE – Text der Informationstafel
Eine Informationstafel der Braunschweigischen Landschaft
Die Lübbensteine 4. Jahrt. v. Chr.
Wahrzeichen der Archäologie im Braunschweiger Land
Bis in das 17. Jh. zurück
reichen die Aufzeichnungen über die beiden
eindrucksvollen vorgeschichtlichen Grabmonumente
auf dem St. Annenberg vor Helmstedt (Abb. 1 und 2).
Abb. 1: Die älteste überlieferte Darstellung der Lübbensteine aus dem Jahr 1720
Abb. 2: Bericht einer Ausgrabung in den Lübbensteinen von J.C. Zimmermann
Die Gräber selbst sind weitaus
älter und Mitte des 4. Jt. v. Chr. errichtet
worden. Dem Einschreiten von Professoren der
Universität Helmstedt ist es zu verdanken,
dass die Lübbensteine dem Schicksal anderer
Großsteingräber in der Region entgangen
sind, die zerschlagen oder gesprengt wurden,
weil sie beim Bewirtschaften der Felder störten
und man die Steine als Baumaterial gut verwenden
konnte. Heute sind die Lübbensteine als
Kultur- und Naturdenkmale ausgewiesen.
Im 19. Jh. waren die Lübbensteine
wesentlich schlechter erhalten, als der Betrachter
heute ahnt. 1935/36 wurden beide Gräber
von den Archäologen Hofmeister und Thaerigen
untersucht. Von dem Südgrab (in Nähe
des Standortes) fehlte mehr als die Hälfte
der Steine, darunter vor allem die Decksteine
der Kammer, von denen nur einer noch vorhanden
war. Wesentlich besser erhalten war das nördlich
liegende Grab (Abb. 3), das auch Vorbild
für die Rekonstruktionen der zweiten Anlage
wurde. Hier waren von den ursprünglich
45 Steinen der Einfassung noch 40 erhalten.
Vorhanden waren auch alle fünf Decksteine,
zwei davon jedoch zerbrochen.
Abb. 3: Das zerstörte Nordgrab im Ausgrabungsbefund 1936
Abb. 4: Wiederherstellung des Nordgrabes 1936 und 2003
An der 1936 durchgeführten
Wiederherstellung (Abb. 4 und 5) der Gräber
waren im Lauf der Zeit Schäden entstanden,
so dass im Jahr 2001 akute Einsturzgefahr bestand.
Mit Mitteln des Braunschweigischen Vereinigten
Kloster- und Studienfonds und der Stadt Helmstedt
erfolgte 2002 eine Schadenserfassung, die 2003
mit einer Sanierung und Sicherung der Anlagen
abgeschlossen werden konnte. Dabei wurde zusätzlich
der ursprünglich mit Steinplatten gepflasterte
Innenraum der beiden Grabkammern mit Kies ausgelegt,
um einen authentischen Raumeindruck zu vermitteln
(Abb. 4 und 6). Bei dem Südgrab wurde
der bis dahin verfälschend stelenartig
aufgestellte einzige erhaltene Deckstein über
einem neu hinzugefügten Tragstein wieder
in seiner ursprünglichen Funktion aufgelegt
(Abb. 5 und 6).
Abb. 5: Wiederherstellung des Südgrabes 1936
Abb. 6: Wiederherstellung des Südgrabes 2003
Bedeutung der Farben
Einfassungen bei Abb. 3 zum Teil verkippt
Tragsteine der Kammern
Decksteine bei Abb. 6: 2003 wieder aufgelegt
In 2003 ergänzte Tragsteine
Kies, anstelle des ursprünglichen Steinpflasters
Beide Gräber sind Megalith-
bzw. Großsteingräber, errichtet aus
lokalen Braunkohlenquarziten. Die eigentlichen
Grabkammern werden gebildet von Jochen aus jeweils
zwei Trag- und einem Deckstein. Die Kammern
beider Gräber bestehen heute aus jeweils
fünf solcher Joche, wobei aber nicht ganz
sicher ist, ob dies bei dem Südgrab der
ursprüngliche Zustand gewesen ist. Von
Osten führt ein von zwei senkrecht gestellten
Steinen flankierter Gang, der nur noch bei dem
Nordgrab erhalten ist, in die Grabkammer. Weiter
außen verläuft eine rechteckige Steineinfassung
aus senkrecht gestellten Steinen. Die Spalten
zwischen den einzelnen Steinen der Kammer und
denen der Einfassung waren mit trockenmauerartig
gelegten kleinen Steinen geschlossen. Der Bereich
zwischen Kammer und Einfassung war mit Erdreich
gefüllt, so dass von außen nur die
Decksteine der Kammer und die Einfassung zu
sehen waren. Das Grab ähnelte in seinem
ursprünglichen Aussehen damit einem der
für die Jungsteinzeit typischen Großhäuser
aus Holz.
Die Ausgrabungen an den Lübbensteinen
haben so gut wie keine Funde gebracht. Alte
Grabungen, die seit dem 18. Jh. überliefert
sind, hatten den gesamten Bereich zerwühlt.
Derartige Großsteingräber wurden
über Generationen hinweg als Bestattungsplätze
aufgesucht, und bei gut erhaltenen Gräbern
wurden oftmals Reste von mehr als hundert Skeletten
in den Kammern geborgen. Die Toten waren mit
Gefäßbeigaben (wohl Behältnisse
für Speisen auf dem Weg ins Jenseits),
Schmuck sowie Geräten und Waffen aus Stein
ausgestattet.
Die Lübbensteine sind
die südlichsten Großsteingräber
in Norddeutschland. Weitere vergleichbare Gräber
sind bekannt aus Groß Steinum, Süpplingenburg
und dem Marienborner Forst. In Groß Steinum
informiert der archäologische Park "Baustelle
Großsteingrab" ausführlich über
die Errichtung und Bedeutung der Großsteingräber.
In den südlich anschließenden Mittelgebirgslandschaften
fehlten als Baumaterial geeignete große
Steine. Hier wurden vergleichbare Grabanlagen
aus Steinmauern, aus Steinplatten oder auch
aus Holz erbaut. Die Rekonstruktion eines dort
ausgegrabenen Mauerkammergrabes kann bei Remlingen
am Südrand der Asse besichtig werden.